Interview mit Georg Schütz – Anpassungsstärke: Wie Teams den Wandel wirklich meistern
Veränderung ist allgegenwärtig. Und doch fällt es uns oft schwer, gut mit ihr umzugehen. In dieser Episode spreche ich mit Georg Schütz, Mitgründer der Unternehmensberatung Adaptiqo, über das Thema, das immer noch für die Zukunft von Organisationen entscheidend ist: Anpassungsstärke, oder auch Adaptability.
Wir beleuchten, warum klassische Ansätze wie Methoden, Tools oder Prozesse allein nicht ausreichen, um Wandel erfolgreich zu gestalten und warum der Schlüssel vielmehr im Menschen selbst liegt.
Warum Wandel uns herausfordert
Wir leben in einer Zeit, in der Veränderung zur Normalität geworden ist. Gleichzeitig steht dieses Tempo im Widerspruch zu einem unserer grundlegendsten Bedürfnisse: Sicherheit und Stabilität. Genau hier entsteht die Spannung, die viele Menschen in Organisationen erleben.
Interessanterweise sind wir als Menschen biologisch bestens dafür ausgestattet, mit Veränderung umzugehen. Unser Gehirn ist hochgradig anpassungsfähig. Dennoch erleben viele den Wandel als Belastung. Georg beschreibt das sehr treffend: Es sind nicht nur die Aufgaben selbst, sondern vor allem der ständige Wechsel, der uns fordert.
Die entscheidende Frage ist also: Warum fällt uns etwas schwer, das wir eigentlich von Natur aus gut können?
Mindset vor Toolset
Ein zentraler Punkt unseres Gesprächs ist die Erkenntnis, dass Veränderung immer beim Menschen beginnt – genauer gesagt: im Gehirn.
Viele Organisationen suchen nach Lösungen in Form von Frameworks, Methoden oder „Kochbüchern“. Doch ohne das passende Mindset greifen diese Ansätze zu kurz. Georg bringt es auf den Punkt: Tools und Kompetenzen sind wichtig, aber sie wirken nur dann, wenn der mentale Boden bereitet ist.
Deshalb arbeitet Adaptico mit einem Dreiklang:
- Mindset
- Skillset
- Toolset
Erst wenn Menschen verstehen, warum sie sich in bestimmten Situationen so verhalten und welche inneren Muster wirken, entsteht die Grundlage für echte Veränderung.
Anpassungsstärke als Future Skill
Anpassungsstärke ist mehr als nur Flexibilität. Es geht darum, bewusst, reflektiert und selbstwirksam mit Veränderungen umzugehen – und nicht einfach nur auf sie zu reagieren.
Das Konzept basiert auf verschiedenen Faktoren, darunter:
- Denkweisen (z. B. Optimismus, Selbstreflexion, Perspektivwechsel)
- Handlungsmotivation
- Kontextfaktoren im Umfeld
Diese Faktoren lassen sich sichtbar und besprechbar machen – und damit auch gezielt entwickeln.
Ein wichtiger Aspekt dabei: Anpassung bedeutet nicht, jeden Trend mitzumachen. Im Gegenteil – echte Anpassungsfähigkeit zeigt sich auch darin, bewusst zu entscheiden, wann man sich nicht anpasst.
Veränderung beginnt im Kleinen
Ein besonders spannender Teil unseres Gesprächs dreht sich um das Thema Gewohnheiten und neuronale Muster.
Unser Gehirn funktioniert nicht wie ein Computer, sondern eher wie ein Muskel. Das bedeutet: Veränderung entsteht durch Wiederholung und Erfahrung – nicht durch einmalige Einsicht.
Der Schlüssel liegt in kleinen, konkreten Schritten:
- Mini-Interventionen
- Mikro-Gewohnheiten
- kleine, sofort spürbare Erfolge
Statt großer Vorsätze geht es darum, Verhalten schrittweise zu verändern. Diese kleinen Veränderungen können langfristig große Wirkung entfalten.
Die Rolle von Führung
Ein weiterer zentraler Hebel für Anpassungsstärke ist Führung.
Teams entwickeln ihre Fähigkeit zum Umgang mit Veränderung nicht im luftleeren Raum. Führungskräfte prägen maßgeblich die Rahmenbedingungen – etwa durch den Umgang mit Fehlern, durch psychologische Sicherheit oder durch die Art der Kommunikation.
Besonders wichtig ist dabei das Erleben: Kultur lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht durch konkrete Erfahrungen im Alltag. Wenn Führungskräfte offen mit eigenen Fehlern umgehen und Lernen ermöglichen, verändert sich auch das Verhalten im Team.
Der Einfluss von Feedback und Belohnung
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Wirkung von Feedback.
Unser Gehirn reagiert stark auf positive Verstärkung. Insbesondere dann, wenn sie konkret und nachvollziehbar ist. Allgemeines Lob verpufft schnell, während spezifisches Feedback echte Wirkung entfaltet.
Ein Beispiel:
Nicht ein dahin gesagtes „Gute Arbeit“, sondern „Die Art, wie ihr im letzten Sprint gemeinsam die Herausforderung X gelöst habt, war richtig stark.“ erzeugt das Gefühl wirklich wertgeschätzt zu werden.
Solche Rückmeldungen stärken nicht nur die Motivation, sondern auch die Selbstwirksamkeit.
Ein praktischer Hack für den Alltag
Zum Abschluss teilt Georg einen einfachen, aber wirkungsvollen Impuls:
Wenn du in einem Meeting merkst, dass sich die Diskussion im Kreis dreht, sprich es aus.
Ein kurzes Meta-Feedback wie:
„Ich habe den Eindruck, wir drehen uns gerade im Kreis – worum geht es uns eigentlich gerade?“
Dieser Perspektivwechsel hilft Teams, wieder in die Klarheit und Entscheidungsfähigkeit zu kommen.
Fazit: Wir können Anpassung – wir müssen sie nur wieder nutzen
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Episode ist vielleicht diese: Anpassungsfähigkeit ist keine neue Kompetenz, die wir erst lernen müssen. Sie ist bereits in uns angelegt.
Was wir brauchen, ist ein bewusster Umgang damit – und die Bereitschaft, eingefahrene Muster zu hinterfragen und schrittweise zu verändern.
Wenn uns das gelingt, wird Wandel nicht mehr zur Belastung, sondern zur echten Chance für Entwicklung.
Links und Empfehlungen
Kontakt zu Georg Schütz am besten über LinkedIn.
Webseite adaptiqo.de
Dort gibt es auch Informationen zur Ausbildung zum Adaptability Coach.
Adaptability ist ein spannender Ansatz für alle, die Veränderung nicht nur begleiten, sondern wirklich wirksam gestalten wollen.
Dein agilophiler
Frank
Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.












