Emotionen meistern mit Julia Schleidt

agilophil Podcast Folge 173: Wie du Emotionen in agilen Transformationen meisterst – Julia Schleidt

Warum die Beachtung von Emotionen in agilen Transformationen den Unterschied macht

In dieser Folge des agilophil Podcasts spreche ich mit Julia Schleidt, Emotionscoach und Host des „Tatendrang“-Podcasts, über ein Thema, das in allen Veränderungsprozessen mitläuft, aber selten offen besprochen wird: Emotionen.
Werden Arbeitsweisen, Rollen und Machtstrukturen verändert – oder gar das Selbstverständnis von Menschen in Frage gestellt – treten Emotionen fast automatisch auf. Das Spektrum reicht von Angst, Frust und Unsicherheit bis hin zu Begeisterung, Erleichterung und Hoffnung.

Wir gehen der Frage nach, wie agile Coaches und Scrum Master damit professionell, aber empathisch umgehen können – und zwar ohne selbst in den Strudel der Emotionen hineingezogen zu werden.

Emotionen sind nicht „gut“ oder „schlecht“ – sie sind Botschafter

Julia betont, dass wir Emotionen nicht in „positive“ und „negative“ Kategorien einteilen sollten, sondern in angenehme und unangenehme.
Auch die unangenehmen Emotionen haben einen Sinn: Sie zeigen uns, dass ein Bedürfnis nicht erfüllt ist. Grundlage sind dabei vier neurobiologische Grundbedürfnisse:

  1. Einfluss nehmen und sich durchsetzen
  2. Ordnung und Stabilität
  3. Bindung und Geborgenheit
  4. Leichtigkeit und Inspiration

Veränderungen, wie sie agile Transformationen mit sich bringen, können jedes dieser Bedürfnisse berühren – und dadurch unterschiedliche Emotionen hervorrufen. Angst, Ärger, Trauer, Scham oder Verwirrung sind normale Reaktionen, die ernst genommen werden sollten.

Was passiert, wenn Emotionen ignoriert werden?

Werden Emotionen nicht gesehen, führt das häufig zu innerer Kündigung.
Laut Gallup-Engagement-Index haben 70–80 % der Beschäftigten in Deutschland innerlich bereits gekündigt – oft, weil sie sich nicht mitgenommen fühlen. Das senkt Motivation, Produktivität und Innovationsbereitschaft.

Erkennen, Verstehen, Handeln – drei Ebenen der emotionalen Arbeit

Julia empfiehlt, auf zwei Ebenen zu arbeiten:

  1. Selbstwahrnehmung – Nur wer seine eigenen Emotionen kennt und akzeptiert, kann auch für andere einen sicheren Raum halten.
  2. Fremdwahrnehmung – Emotionen bei anderen erkennen, benennen und den Raum dafür öffnen.

Praktische Ansätze:

  • In Workshops Hope & Fear-Runden durchführen: Welche Hoffnungen und welche Ängste verbinden die Teilnehmenden mit der Veränderung?
  • Stresssignale wie Unruhe, Selbstberührungen oder vermehrtes Blinzeln wahrnehmen.
  • Gesprächsangebote machen – immer als Einladung, nicht als Zwang.

Emotionen regulieren und Ressourcen aktivieren

Ein zentraler Punkt ist die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, um handlungsfähig zu bleiben.
Julia nennt dafür konkrete Methoden:

  • Kurze Pausen einlegen, bewusst atmen (5 Sekunden ein, 5 Sekunden aus).
  • Emotion im Körper lokalisieren („Wo spüre ich die Wut?“).
  • Eine Minute Stille in Meetings, um die Energie im Raum zu resetten.

Außerdem empfiehlt sie das Aktivieren sogenannter Superressourcen:

  • Authentischer Stolz – Was habe ich diese Woche bewirkt?
  • Sicherheitsmomente – Wann habe ich mich sicher und entspannt gefühlt?
  • Dankbarkeit – Wofür bin ich dankbar?
  • Mitfreude – Wem habe ich eine Freude gemacht?
  • Ehrfurcht – Was hat mich beeindruckt oder inspiriert?

Diese Übungen stärken nicht nur das emotionale Gleichgewicht, sondern fördern auch Zusammenhalt und Motivation im Team.

Kulturelle Unterschiede beachten

Emotionen sind universell, aber wie wir sie zeigen, ist kulturell geprägt.
Während deutschen Kulturkreis Emotionen oft zurückhaltend, aber direkt-konfrontativ äußern, neigen viele asiatische Kulturen dazu, Emotionen weniger offen und konfliktvermeidend zu kommunizieren.
Für internationale Teams ist Fingerspitzengefühl gefragt – und manchmal der Mut, Gesprächsräume in kleineren, vertrauensvollen Settings zu schaffen.

Kein Dauerlächeln – Authentizität schützt vor Burnout

Agile Coaches und Scrum Master müssen nicht immer gut gelaunt wirken. Dauerhafte emotionale Dissonanz – wenn das äußere Auftreten nicht zum inneren Zustand passt – ist ein Burnout-Risikofaktor.
Besser: Kurz innehalten, fragen „Was braucht diese Situation von mir?“ und den passenden emotionalen Zustand bewusst aktivieren – sei es Warmherzigkeit, Entschlossenheit, Enthusiasmus oder innere Ruhe.

Ein überraschender Hack: Kaltduschen

Zum gibt es noch einen ungewöhnlichen, aber wirksamen Tipp: Tägliches Kaltduschen.
Das trainiert emotionale Regulation, stärkt die Resilienz, aktiviert Dopamin und lässt sich ohne Aufwand in den Alltag integrieren.

Fazit

Emotionen sind in agilen Transformationen kein Nebenthema – sie sind der Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg.
Wer sie erkennt, akzeptiert und aktiv begleitet, kann Veränderungsprozesse nicht nur effizienter, sondern auch menschlicher gestalten.
Als Agile Coach oder Scrum Master ist es daher essenziell, den Raum für Emotionen zu schaffen, ohne die eigenen Grenzen zu verlieren.

Links und Empfehlungen

Ich hoffe, dass diese „emotionale“ Folge dir ein paar wertvolle Impulse gibt.

Dein agilophiler

Frank

Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.

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