Entropie - Unordnung vorprogrammiert

agilophil Podcast Folge 174: Entropie – Unordnung vorprogrammiert

Unordnung vorprogrammiert: Entropie erklärt, warum es Agile Coaches und Scrum Master geben muss

In dieser Folge des agilophil Podcasts spreche ich über ein physikalisches Prinzip, das uns im Alltag ständig begegnet – die Entropie – und warum genau dieses Prinzip eine der besten Erklärungen dafür liefert, warum wir Scrum Master und Agile Coaches in Teams unbedingt brauchen.

Hand aufs Herz: Was passiert in einem Team, wenn die Scrum Masterin oder der Agile Coach drei Wochen im Urlaub sind? Läuft dann alles wie gewohnt weiter? Oder verschwinden plötzlich wichtige Rituale, die Retrospektiven werden ausgelassen und die Energie des Teams driftet ab? Genau dieses Phänomen hat viel mit Entropie zu tun – und genau darüber geht es in dieser Episode.

Was ist Entropie überhaupt?

Vielleicht erinnerst du dich an dein Kinderzimmer. Du hast es aufgeräumt, alles ist ordentlich – und schon nach kurzer Zeit herrscht wieder Chaos. Dieses Muster zieht sich durch alle Lebensbereiche: Wohnzimmer, Schreibtisch, Kleiderschrank. Ordnung hält nie lange an, ohne dass wir Energie hineinstecken.

In der Thermodynamik beschreibt der zweite Hauptsatz genau dieses Phänomen: In einem abgeschlossenen System nimmt die Entropie – also die Unordnung – immer zu. Prozesse laufen von allein in Richtung Chaos. Wärme fließt vom warmen zum kalten Körper, Dinge verfallen, Menschen altern, Sterne erlöschen. Ordnung dagegen muss immer durch Energieaufwand hergestellt und erhalten werden.

Warum agile Teams wie Systeme funktionieren

Ein Team ist nichts anderes als ein soziales System. Es besteht aus Menschen, Interaktionen, Kommunikation und Strukturen. Genau wie in der Physik gilt auch hier: Ohne regelmäßigen Energieimpuls nimmt die Unordnung zu.

Übertragen auf ein agiles Team bedeutet das: Meetings werden ausgelassen, Feedback geht verloren, Backlogs veralten und die gemeinsame Ausrichtung verschwimmt. Das Team driftet in Richtung Chaos, wenn niemand aktiv gegensteuert.

Scrum Master und Agile Coaches sind genau die Rolle, die diese Energie ins System einbringt. Sie erinnern, moderieren, stellen Fragen, strukturieren, sorgen für Reflexion und fördern Verbesserungen. Damit wirken sie direkt der Entropie entgegen.

Beispiele aus der Praxis

Ein klassisches Beispiel: Das Sprint Review. Eigentlich soll es Feedback liefern und den Austausch mit Stakeholdern fördern. Doch sobald der Scrum Master nicht dabei ist, hört man schnell: „Brauchen wir das überhaupt noch?“ – und das Meeting wird gestrichen. Ergebnis: weniger Feedback, veraltetes Backlog, sinkende Transparenz. Erst wenn der Scrum Master zurückkehrt, kommt die Struktur wieder ins Spiel.

Das Gleiche gilt für Retrospektiven. Ohne Moderation driften sie häufig ins Chaos: gegenseitige Schuldzuweisungen, hitzige Diskussionen, keine echten Ergebnisse. Erst die klare Agenda und das aktive Eingreifen einer Scrum Masterin bringen die Retro wieder in eine konstruktive Bahn.

Diese Beispiele zeigen deutlich: Ordnung braucht Impulse. Und Impulse sind nichts anderes als Energie.

Was sagt die Theorie dazu?

Auch in der Literatur ist dieser Zusammenhang schon beschrieben. Jeff Sutherland, einer der Mitbegründer von Scrum, greift in seinem Werk „First Principles in Scrum“ den Begriff der Entropie auf und vergleicht Teams mit Systemen, die ohne Energiezufuhr unweigerlich in Unordnung verfallen.

Auch Richard Koch hat bereits vor 25 Jahren in „The Power Laws“ ähnliche Gedanken formuliert: Systeme altern und streben nach Unordnung, wenn keine Energie eingebracht wird.

Diese Analogie zeigt eindrücklich, dass es nicht nur eine schöne Metapher ist, sondern ein naturgesetzliches Prinzip: Ohne Scrum Master oder Agile Coach steigt die Entropie auch in agilen Teams.

Das Ziel: sich überflüssig machen – aber nur bedingt

Oft hört man den Satz: „Ein guter Agile Coach macht sich überflüssig.“ Und ja, das stimmt – zumindest für eine gewisse Zeit und bei reifen, selbstorganisierten Teams. Doch sobald die Rahmenbedingungen sich ändern, ein Teammitglied geht oder die Organisation Umbrüche erlebt, braucht es wieder Energiezufuhr.

Agilität ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer beibehält. Es ist ein dynamischer Prozess, der ständige Pflege braucht. Genau dafür sind Scrum Master und Agile Coaches da.

Fazit: Ohne Energie kein Agile

Die Lehre aus der Entropie ist klar: Ordnung kommt nicht von allein. Sie muss immer aktiv erzeugt und erhalten werden. Genauso verhält es sich mit agilen Teams. Ohne Scrum Master oder Agile Coach driftet ein Team unweigerlich in Richtung Chaos.

Scrum Master und Agile Coaches sind die Energieträger, die dafür sorgen, dass Strukturen nicht zerfallen, Feedbackschleifen nicht verschwinden und kontinuierliche Verbesserung stattfinden kann.

Oder ganz einfach gesagt: Ohne Energie, kein Agile.

Quellen und Empfehlungen

Und nun kannst du mal wieder dein Zimmer aufräumen und dabei diesen Podcast hören 🙂 – viel Spaß dabei

Dein agilophiler

Frank

Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.

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