Scrum Expansion Pack 2025 – Was bringt es dir wirklich?
In dieser Folge geht es um das „Scrum Expansion Pack 2025“, das am 11. Juni veröffentlicht wurde. Auch wenn es in der Community bereits vielfach diskutiert wurde, ist es aus meiner Sicht wichtig, die wesentlichen Inhalte noch einmal zusammenzufassen und einzuordnen. Denn das Expansion Pack bringt nicht nur ein paar neue Begriffe und Rollen, sondern liefert auch eine theoretische Fundierung von Scrum – und das könnte für viele ein echter Mehrwert sein.
Was ist das Scrum Expansion Pack?
Das Expansion Pack ist keine neue Version von Scrum, sondern eine Ergänzung zum bestehenden Scrum Guide von 2020. Es stellt kein neues Framework vor, sondern liefert zusätzliche Perspektiven und Erklärungen. Manche Inhalte hätten aus meiner Sicht auch direkt in den Scrum Guide gehört, um das Framework nicht auf zwei getrennte Dokumente verteilen zu müssen.
Das Ziel des Expansion Packs ist es, Scrum auf ein solides theoretisches Fundament zu stellen. Es greift Prinzipien und Modelle auf, die in der Praxis längst bekannt sind, wie Empirismus, Lean Thinking oder Systemdenken, und verknüpft sie explizit mit Scrum.
Präzisierungen bei Rollen, Artefakten und Events
Eine der auffälligsten Änderungen betrifft die Begriffe und Rollen:
- Die Rolle der „Developer“ wird nun präzisiert als „Product Developer“. Das umfasst alle, die an der Produktentwicklung beteiligt sind – nicht nur Programmierer.
- Unterstützende Stakeholder-Rollen wie UX, DevOps, Legal oder Data Analysts werden nun als „Supporter“ explizit genannt.
- Auch künstliche Intelligenz wird als unterstützende Rolle benannt – allerdings immer unter menschlicher Aufsicht.
Bei den Artefakten wird das Produkt selbst als neues Artefakt aufgenommen – mit Fokus auf strategischen, langfristigen Wert. Auch das Commitment „Product Goal“ bleibt erhalten. Darüber hinaus wird die Definition of Done aufgeteilt in:
- Definition of Output Done: Fokus auf Qualität und Effizienz.
- Definition of Outcome Done: Fokus auf Nutzen und Effektivität.
Die Scrum-Events bleiben formal gleich, erhalten aber zusätzliche Kontextbeschreibungen.
Die theoretischen Grundlagen
Eine zentrale Neuerung ist die wissenschaftliche Fundierung von Scrum:
- Empirismus: Hypothesen werden getestet, reflektiert und angepasst. Das schafft den Rahmen für kontinuierliches Lernen.
- Lean Thinking: Fokussiert auf Wertfluss und Reduktion von Verschwendung – ähnlich wie im Kanban-Ansatz.
- Komplexitätstheorie & Systemdenken: Fördert Anpassungsfähigkeit und gemeinsame Lösungsfindung in komplexen Kontexten. Das Cynefin-Modell spielt hier eine wichtige Rolle.
- First Principles Thinking: Probleme werden auf ihre Grundannahmen reduziert. Die 5-Why-Technik ist ein praktisches Beispiel dafür.
- Product Thinking & Discovery: Stakeholder-Werte werden aktiv validiert. Outcome-orientierte Metriken und Co-Creation sind zentrale Elemente.
- Change Management: Führungskräfte sollen als Change Agents wirken und psychologische Sicherheit fördern.
Praktische Anwendungsbeispiele
Das Expansion Pack ist kein rein theoretisches Konstrukt, sondern orientiert sich an realen Best Practices:
- Outcome statt Features: Teams, die Outcome-orientiert arbeiten, priorisieren kontinuierlich neu und verbessern ihre Feedback-Schleifen.
- KI als Teammitglied: KI kann datenbasierte Unterstützung leisten – aber nur unter menschlicher Kontrolle.
- Systemisches Denken: Anforderungen werden anhand des Cynefin-Modells klassifiziert, was zu passgenaueren Entscheidungen führt.
- Psychologische Sicherheit: Unternehmen wie Microsoft oder Bosch zeigen, dass neugierige Teams innovativer sind.
Mein Fazit zum Expansion Pack
Das Expansion Pack ist optional, aber hilfreich – vor allem für Einsteiger oder als ergänzende Lektüre nach einer Scrum-Zertifizierung. Wer sich schon länger mit Scrum beschäftigt, wird vieles bereits kennen. Für ein tiefes Verständnis reichen die Hinweise im Expansion Pack nicht aus – hier braucht es die Originalquellen.
Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass die konkreten Ergänzungen direkt in den Scrum Guide eingeflossen wären. So bleibt eine gewisse Unschärfe. Trotzdem: Wer Scrum besser verstehen und anwenden will, sollte das Expansion Pack lesen. Besonders der Fokus auf das Produkt – etwa durch die neue Outcome-Done-Definition – kann die agile Praxis bereichern.
Scrum bleibt Scrum – auch mit dem Expansion Pack. Wichtig ist, den Kern im Blick zu behalten: den Scrum Guide. Das Expansion Pack bietet nützliche Hinweise, aber ersetzt nicht die Praxis und das ständige Lernen.
Quellen und Empfehlungen
- Scrum Guide 2020
- Scrum Expansion Pack 2025
- Cynefin Modell:
- OKR Framework:
- Buch: Jeff Sutherland – „Scrum: The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“*
Dein agilophiler
Frank
Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.
Die mit * gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate Links. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, werde ich mit einer Provision beteiligt. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo, wann und wie du ein Produkt kaufst, bleibt natürlich dir überlassen.












