Scrum 3.0 für die neue Ära

agilophil Podcast Folge 196: Scrum 3.0 für die neue Ära – Boris Gloger

Scrum nach 25 Jahren neu gedacht – Boris Gloger über Führung, Agilität und die Zukunft von Scrum

Was haben wir nach 25 Jahren wirklich gelernt?

Nach einem Vierteljahrhundert stellt sich die Frage: Welche Ideen haben sich bewährt und warum scheitern agile Transformationen trotzdem so häufig?

In dieser Episode des agilophil Podcasts spreche ich mit Boris Gloger über die vollständig neu geschriebene sechste Auflage seines Buches „Scrum für die neue Ära – Eine agile Evolution“. Dabei geht es nicht um eine weitere Einführung in Scrum, sondern um die grundlegenden Herausforderungen moderner Organisationen.

Warum ein neues Scrum-Buch?

Boris Gloger beschreibt, warum die bisherigen Scrum-Bücher heute nicht mehr ausreichen. Rollen, Events und Artefakte sind mittlerweile überall dokumentiert, oder lassen sich innerhalb weniger Sekunden von einer KI erklären.

Die eigentliche Frage lautet heute:

Warum funktioniert Scrum in vielen Unternehmen trotz dieses Wissens nicht?

Genau dieser Frage widmet sich das neue Buch.

Die eigentlichen Probleme liegen in den Organisationen

Ein Schwerpunkt unseres Gesprächs sind organisatorische Dysfunktionalitäten.

Dazu gehören unter anderem:

  • fehlende Priorisierung
  • übergroße Product Backlogs
  • Frontloading statt iterativer Entwicklung
  • Multitasking
  • unnötige Meetings
  • Silodenken
  • mangelnde Lernkultur
  • große Distanz zwischen Entwicklungsteam und Kunden

Boris vertritt die These, dass wir bei der Anwendung vieler agiler Methoden diese Probleme nicht gelöst, sondern lediglich Workarounds geschaffen haben. Statt die Ursachen zu beseitigen, wurden Prozesse und Werkzeuge immer weiter ausgebaut.

Warum Priorisierung oft scheitert

Besonders ausführlich sprechen wir über Priorisierung.

Obwohl Scrum ein klar priorisiertes Product Backlog vorsieht, erleben viele Teams bis heute den Satz:

„Alles ist wichtig.“

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, Priorisierungstechniken zu kennen. Viel wichtiger ist die Bereitschaft von Mitarbeitenden und Organisationen, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen und bewusst auf weniger wichtige Anforderungen zu verzichten.

Scrum ist vor allem ein Führungsmodell

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Episode ist das Thema Führung.

Boris Gloger macht deutlich, dass Scrum ursprünglich immer auch ein Führungsmodell war. Gute Führung bedeutet dabei nicht, Menschen zu steuern, sondern Kommunikation zu gestalten.

Führungskräfte schaffen Orientierung, formulieren Ziele, organisieren Zusammenarbeit und schaffen Rahmenbedingungen, in denen Teams eigenverantwortlich handeln können.

Führung in komplexen Situationen

Im Gespräch unterscheiden wir zwei Arten von Führung.

Wenn bekannt ist, wie eine Aufgabe gelöst wird, gehört Wissensvermittlung selbstverständlich zur Führungsaufgabe.

In komplexen Situationen funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht mehr. Dort kennt niemand den richtigen Weg im Voraus.

Hier braucht es:

  • kurze Feedbackzyklen
  • Experimentieren
  • gemeinsames Lernen
  • eine ausgeprägte Lernkultur

Genau dafür wurde Scrum ursprünglich entwickelt.

Scrum 3.0 – Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?

Ein besonders spannender Teil unseres Gesprächs beschäftigt sich mit Boris Glogers Idee eines Scrum 3.0.

Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern sich die klassischen Scrum-Rollen.

Der Product Owner entwickelt sich stärker zum Gestalter von Vision, Leitplanken und Entscheidungen.

Entwicklungsteams arbeiten direkter mit ihren Nutzern zusammen und erzeugen Ideen dort, wo tatsächlicher Kundennutzen entsteht.

Backlogs werden kleiner, Feedbackzyklen kürzer und Entscheidungen können deutlich schneller getroffen werden.

Die neue Rolle des Scrum Masters

Auch die Rolle des Scrum Masters verändert sich.

Statt ausschließlich Meetings zu moderieren oder Retrospektiven vorzubereiten, sieht Boris die eigentliche Aufgabe darin, organisatorische Hindernisse zu beseitigen.

Ein Scrum Master sollte nicht nur innerhalb seines Teams arbeiten, sondern aktiv Veränderungen im gesamten Unternehmen anstoßen und bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Fazit

Dieses Gespräch zeigt sehr deutlich:

Scrum ist keineswegs überholt.

Viele seiner Grundprinzipien sind heute aktueller denn je. Gleichzeitig fordert Boris Gloger dazu auf, den Fokus weg von Methoden und Werkzeugen hin zu den eigentlichen Ursachen organisatorischer Probleme zu richten.

Wer sich mit Agilität, Führung, Organisationsentwicklung oder Künstlicher Intelligenz beschäftigt, findet in dieser Episode zahlreiche Denkanstöße für die eigene Praxis.

Abseits vom Framework ist am Wichtigsten:

MACHEN

Verantwortung für sein TUN übernehmen und Wirksam sein!

Buchempfehlung

Boris Gloger: Scrum für die neue Ära – Eine agile Evolution (6., vollständig überarbeitete Auflage)

Außerdem empfehle ich die frühere Podcastfolge mit Boris Gloger zum Thema Scrum for Schools (Episode 169).

Häufige Fragen zur Episode

Warum hat Boris Gloger sein Scrum-Buch vollständig neu geschrieben?

Weil die Grundlagen von Scrum heute allgemein bekannt sind. Statt Rollen und Meetings erneut zu erklären, beschäftigt sich das Buch mit den eigentlichen Ursachen gescheiterter agiler Transformationen.

Was versteht Boris Gloger unter organisatorischen Dysfunktionalitäten?

Gemeint sind strukturelle Probleme wie fehlende Priorisierung, übergroße Backlogs, Multitasking, Silos oder mangelnde Verantwortung, die erfolgreiche agile Arbeit verhindern.

Was bedeutet Scrum 3.0?

Scrum 3.0 beschreibt Boris Glogers Vision einer Weiterentwicklung von Scrum, bei der Entwicklungsteams näher am Kunden arbeiten, Backlogs deutlich kleiner werden und Künstliche Intelligenz viele operative Aufgaben übernimmt.

Welche Rolle spielt der Scrum Master künftig?

Der Scrum Master entwickelt sich vom Teammoderator zum Veränderungsbegleiter der gesamten Organisation und beseitigt systemische Hindernisse für erfolgreiche Zusammenarbeit.

Für wen ist diese Podcast-Episode interessant?

Für Scrum Master, Product Owner, Agile Coaches, Führungskräfte, Projektleiter sowie alle, die sich mit Agilität, Organisationsentwicklung und moderner Führung beschäftigen.

Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.

Dein agilophiler Frank

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