Das 2. BigBang KI Festival 2025 in Berlin – meine Eindrücke und Learnings
In dieser Solo-Sonderfolge des agilophil Podcasts nehme ich Dich mit nach Berlin zum 2. Big Bang KI Festival 2025. Zwei Tage voller Inspirationen, praktischer Einblicke und spannender Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz, digitale Trends und die großen Fragen unserer Zukunft.
Das Festival war ausverkauft – 8.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, über 350 Referentinnen und Referenten aus Wirtschaft, Technologie, Politik und Wissenschaft, sechs Bühnen und ein randvolles Programm. Schon diese Eckdaten zeigen: Das BigBang KI Festival ist inzwischen eine der wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz im deutschsprachigen Raum.
Während im vergangenen Jahr noch die Frage „Was ist eigentlich KI?“ im Vordergrund stand, ging es diesmal um die Anwendung. Tag 1 trug das Motto „Was machen wir mit KI?“ und Tag 2 richtete den Blick nach vorne: „Wie sieht unsere Zukunft mit KI aus?“ Genau diese Entwicklung – weg von der Theorie hin zur Praxis – macht das Festival so wertvoll.
Big Bang KI Festival 2025, Tag 1: Von Use Cases und den Herausforderungen bei der Einführung von KI
Besonders spannend fand ich die Vorstellung von SAPs eigener KI „Joule“. Damit zeigt einer der größten Softwareanbieter der Welt, wie KI direkt in Unternehmensprozesse integriert werden kann. Solche Use Cases machen deutlich, dass KI längst nicht mehr nur ein abstraktes Zukunftsthema ist, sondern konkrete Mehrwerte schaffen soll.
Doch bei aller Begeisterung zeigte sich auch, dass erfolgreiche KI-Projekte nicht selbstverständlich sind. Sie scheitern nicht selten an ganz grundlegenden Faktoren:
- Datenverfügbarkeit und Datenqualität: Ohne saubere, strukturierte Daten bleibt jedes KI-System blind.
- Klare Strategie und Use Cases: KI darf kein Selbstzweck sein. Nur wenn der Nutzen klar ist, bringt sie Mehrwert.
- Technische Komplexität und Know-how: Unternehmen brauchen Expertise, die oft noch fehlt.
- Kulturelle Widerstände und Changemanagement: Menschen müssen mitgenommen werden, sonst wird die beste Technologie nicht genutzt.
- Regulatorik, Datenschutz und Cybersicherheit: Diese Themen sind nicht wegzudenken und müssen von Beginn an berücksichtigt werden.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich das Vorgehensmodell, das viele Unternehmen vorgestellt haben. Es wirkte sehr klassisch, fast schon wasserfallartig: Anforderungen klären, Lösungsvorschläge erarbeiten, Aufwand schätzen, Prototyp bauen, Go-Live.
Das mag vertraut sein – aber bei KI, wo Unsicherheit und Lernprozesse an der Tagesordnung sind, halte ich das für den falschen Ansatz. Aus meiner Sicht schreit KI förmlich nach einem agilen Vorgehen, nach iterativem Lernen, Experimentieren und schnellen Anpassungen.
Energie, smarte Netze und die Rolle der Politik
Ein zweites Highlight des ersten Tages waren die Sessions zur Energiewende. Besonders spannend fand ich die Diskussionen über smarte Netze und sogar über fliegende Windkraftanlagen, die tatsächlich an Drachen befestigt sind. Das klingt futuristisch, zeigt aber, wie kreativ die Ansätze inzwischen sind.
Die zentrale Botschaft lautete: Ob Mobilitätswende, Energiewende oder der Einsatz von KI – die Gesellschaft treibt die Veränderungen voran. Politik kann unterstützen und beschleunigen, sie kann aber auch bremsen und dadurch alles schwerer und teurer machen. Aufhalten lassen sich diese Entwicklungen jedoch nicht mehr.
Auf der Bühne waren auch politische Vertreter wie Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, und Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt und Klimaschutz. Ihre Auftritte wirkten bemüht, aber nicht wirklich leidenschaftlich. Für mich bleibt die Frage: Wo ist die Vision? Denn nur wer selbst für ein Thema brennt, kann auch andere dafür begeistern.
Big Bang KI Festival 2025, Tag 2: Die Zukunft ist schon da – nur nicht bei uns
Der zweite Tag des richtete den Blick noch stärker in die Zukunft. Und dabei wurde klar: Vieles, was für uns in Deutschland nach Science-Fiction klingt, ist in anderen Teilen der Welt längst Realität. In den USA und in China gibt es Robotaxis im Einsatz und humanoide Roboter im Alltag. Wir kennen diese Themen hierzulande höchstens aus den Medien.
Dazu kommt das enorme Tempo der technologischen Entwicklung. Moore’s Law, das lange Zeit besagte, dass sich die Rechenleistung alle zwei Jahre verdoppelt, ist überholt. Heute verdoppelt sie sich alle sechs Monate. Mit dem Eintritt der Quantencomputer wird diese Entwicklung noch einmal dramatisch beschleunigt.
Ein Schlüsselthema dabei bleibt die Energie. Ohne günstige, verfügbare Energie lassen sich weder Digitalisierung noch KI flächendeckend umsetzen. Die Zukunft liegt in erneuerbarer Energie aus Sonne und Wind, in Energiespeichernund in intelligenten, KI-gesteuerten Netzen. Auch Batterietechnologien werden massiv wachsen – unabhängig davon, ob die Politik das aktiv unterstützt oder nicht.
Von Robotik bis Cybersicherheit – Eindrücke von der Messe
Neben den großen Vorträgen war auch der Messebereich einen Besuch wert. Dort zeigte sich, wie breit KI inzwischen aufgestellt ist. Von Robotik über Augmented Reality bis hin zu neu gedachten ERP-Systemen für kleine Unternehmenwar alles dabei. Auch im Bereich Cybersicherheit gab es viele spannende Anbieter und Lösungen.
Damit wurde einmal mehr deutlich: KI ist längst kein reines Forschungsthema mehr. Sie betrifft alle Branchen, alle Unternehmensgrößen und letztlich auch uns als Gesellschaft in unserem Alltag.
Mein persönliches Fazit
Was nehme ich mit vom 2. BigBang KI Festival?
Vor allem die Erkenntnis, dass wir in einer Zeit leben, die sich nie wieder so langsam verändern wird wie heute. Alles beschleunigt sich, und wir müssen lernen, damit umzugehen.
Natürlich gibt es Risiken. Schauspieler Jan Josef Liefers brachte es in einem Satz auf den Punkt: „Wir haben es noch immer geschafft, jede Technologie gegen uns zu verwenden.“ Genau das sollten wir bei KI unbedingt vermeiden.
Das Festival war für mich deshalb eine Mischung aus Begeisterung, Nachdenklichkeit und Inspiration. Begeisterung über die vielen Ideen und Möglichkeiten. Nachdenklichkeit über die Art und Weise, wie wir in Deutschland KI-Projekte oft noch angehen. Und Inspiration durch die vielen Gespräche, Vorträge und Visionen, die deutlich machen: Die Zukunft ist längst da – wir müssen nur den Mut haben, sie zu gestalten.
Quellen und Empfehlungen
- Big Bang KI Festival 2025 Webseite: https://bigbangfestival.de
- Lesetipp: „AI Superpowers“ von Kai-Fu Lee*
- Podcast-Episoden zum Thema „Agile Transformation“ (analog auf für „KI-Transformation gültig): Folge 149: Agile Transformation ohne Widerstand; Folge 50: Frust oder Lust – bei der agilen Transformation
- oder „KI“: Folge 168: Kultur frisst KI; und (schon etwas älter, das erste Experiment mit ChatGPT) Folge 121: Die künstliche Folge
Viel Spaß bei dieser zukunftsweisenden Folge.
Dein agilophiler Frank
Weitere Episoden des agilophil Podcasts findest du auf der Übersichtsseite Podcast.
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